Der lange Weg ins Nichts – Bewerbungen bei deutschen Firmen (III)

Europäisches Patentamt: Schweigen, Schweigen, Schweigen

Die Arbeitslosenquote ist gering, die deutschen Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte. Man möchte meinen, dass sie sich also ins Zeug legen, gegenüber potenziellen Mitarbeitern ihre besten Seiten zeigen und sich bemühen, mit einem transparenten und zügigen Auswahlverfahren das Vertrauen der Bewerber zu gewinnen. Die Wirklichkeit ist vielfach anders, wie drei Beispiele aus der Praxis zeigen.

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Das Europäische Patentamt sucht einen „Direktor Externe Kommunikation – EPA-Sprecher“ für den Standort München. Ein spannender Posten, sicherlich. Allerdings sollen Bewerber drei Sprachen fließend sprechen – Deutsch, Englisch und Französisch. Nun, mit meinem Französisch ist es nicht so weit her, allerdings erfülle ich sämtliche inhaltlichen Forderungen. Da der aktuelle Präsident jedoch ein Franzose ist, dürfte es ohne fließende Kenntnisse dieser Sprache schwierig werden, in die innere Wahl zu kommen. Andererseits gibt es seit langem mächtig Zoff zwischen Präsident und Mitarbeitern – vielleicht ist der Präsident ja nicht mehr lange Präsident?

Interessant ist die Position auch hinsichtlich ihrer Bezahlung. In der Stellenbeschreibung heißt es:  „Das EPA bietet ein attraktives Nettogehalt bzw. Grundgehalt (je nach Vorerfahrung 9 575 bis 13 614 EUR monatlich nach Abzug der internen Steuer). Zum Besoldungspaket der EPA-Bediensteten gehören außerdem diverse Leistungen und Zulagen, etwa eine Haushalts- und Erziehungszulage, eine Einrichtungsbeihilfe, eine private Krankenversicherung sowie ein eigenes Versorgungssystem.“

Wow, bis zu 13600 Euro monatlich netto plus Zusatzleistungen Wo gibt es denn sowas? Machen die dort einen so genialen Job, dass sie derart fürstlich entlohnt werden müssen? Ich habe mal einen Patentamtsmitarbeiter getroffen. Der berichtete mir eher gelangweilt von seinem Alltag mit tausenden Normen und Vorschriften.

Wer finanziert eigentlich das EPA? Ach ja, alle Bürger Europas.

Ich fülle das umfangreiche Onlineformular des EPA aus. Einige Bugs in der Programmierung machen das Vorankommen holprig, manche Fragen und Anweisungen lassen jetzt schon auf ein hohes Maß an Bürokratie schließen.

Am 8. Dezember verschicke ich meine Bewerbung. Wie üblich bei solchen Programmen erhalte ich eine automatische E-Mail:

„Dies ist eine automatisch erzeugte E-Mail. Bitte nicht antworten. Vielen Dank für Ihre Bewerbung und Ihr Interesse an einer Tätigkeit im Europäischen Patentamt. Auf Grund der Vielzahl der eingegangenen Bewerbungen wird die Bearbeitung eininge Zeit in Anspruch nehmen. Wir möchten Sie bitten, die Personalabteilung nicht zu kontaktieren. Entscheidungen bezüglich Ihrer Bewerbung werden per E-Mail und auf durch den personalisierten Status-Report auf unserer Webseite kommuniziert.“

Die grammatikalischen und orthografischen Schnitzer in der Mail wecken Zweifel bei mir, ob die EPA-Mitarbeiter ihr Geld wirklich wert sind.

Die Formulierung „eininge Zeit in Anspruch nehmen“ scheint die Personalabteilung des EPA sehr ernst zu nehmen, denn zwei Monate lang höre ich nichts mehr aus dem Amt. Dann beschließe ich nachzufassen, wenngleich ich mich damit über die Aufforderung hinwegsetze, die Personalabteilung nicht kontaktieren zu dürfen.

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe mich am 4.12.2014 auf die ausgeschriebene Position des Direktor Externe Kommunikation – EPA-Sprecher beworben. Seitdem habe ich nichts von Ihnen gehört. Könnten Sie mir bitte den aktuellen Stand meiner Bewerbung mitteilen?“

Noch am selben Tag erhalte ich eine Rückmeldung:

„…Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt haben wir leider noch keine weitere Information bzgl. den Stand Ihrer Bewerbung. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Human resources officer Recruitment | Dir. 4.3.4.1
European Patent Office“

Das ist bedauerlich. Bedauerlich auch, dass die EPA-Mitarbeiter noch nichts vom Genitiv gehört haben.

Also warte ich zwei weitere Monate ab, in denen es dem EPA offensichtlich auch nicht gelingt, das Auswahlverfahren voran zu bringen. Dann hake ich erneut nach.

„…nachdem zwei weitere Monate vergangen sind und ich nichts aus Ihrem Hause gehört habe, würde ich erneut gerne wissen, wie der Stand des Bewerbungsverfahrens ist.“

Auf eine Antwort warte ich immer noch. Ich glaube, den Kommunikationsjob beim Patentamt kann ich mir abschminken. Schade eigentlich. Die 13.600 Euro monatlich plus Zusatzleistungen hätte ich gerne gehabt.

Der lange Weg ins Nichts – Bewerbungen bei deutschen Firmen (II)

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Camelot Management Consultants AG: holprig wie ein Kamel

Die Mannheimer Strategie- und Organisationsberatung für Value Chain Management sucht einen Head of Corporate Communication & Public Relations. Kurz nach Versand der Bewerbung teilt das Unternehmen per Mail mit: „Vielen Dank für Ihre Unterlagen sowie Ihr Interesse an unserem Unternehmen. Wir sind bei unserer Auswahl sehr sorgfältig. Bitte haben Sie etwas Geduld, wir werden uns in Kürze mit Ihnen in Verbindung setzen.”

Zwei Wochen später lädt der Head of Human Resources zu einem Telefonat ein. Das Gespräch dauert eine knappe Stunde, verläuft angenehm und der Camelot-Personaler weist darauf hin, dass man um ein rasches und transparentes Auswahlverfahren bemüht sei. Es dauert dann allerdings über zwei Wochen, ehe er eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch in der Mannheimer Zentrale verschickt. Dieses Gespräch wiederum soll drei Wochen später stattfinden. Immerhin: Der Chef und Mitgründer der Firma wird daran teilnehmen.

Vier Tage vor dem Gesprächstermin verschiebt das Unternehmen diesen um zwei Wochen nach hinten, da dem Geschäftsführer etwas dazwischen gekommen sei. Der Kandidat fragt sich, was der Human-Resources-Chef mit einem raschen Auwahlverfahren meinte.

Das persönliche Gespräch mit dem Unternehmenschef, dem Leiter Human Resources und der Marketingchefin verläuft ungewöhnlich. Im Wesentlichen referiert der Unternehmenschef eine Stunde lang anhand von Power-Point-Slides über sein Unternehmen, erklärt seinen Kommunikationsbedarf und schickt den Kandidaten mit den Worten nach Hause, dass er ein weiteres Gespräch mit dem Bewerber führen werde, dieser aber bis zum nächsten Mal bitte ein Konzept ausarbeiten möge, dass Lösungen für die ungelösten Kommunikationsaufgaben von Camelot aufzeige. “Wir werden das Gespräch innerhalb der nächsten zwei Wochen mit Ihnen führen”, verspricht der Human-Resources-Chef beim Rausgehen.

Als sich das Unternehmen nach mehr als einer Woche noch nicht mit einem Terminvorschlag gemeldet hat, fragt der Kandidat nach. Daraufhin antwortet der Personalchef per Mail: “Aktuell sind wir noch in Gesprächen mit weiteren Kandidaten. Somit werden wir die Auswahl der Kandidaten, welche wir gerne zu einem zweiten Gesprächstermin zu uns einladen, erst zum Ende der nächsten Woche treffen.”

Seltsam, denkt sich der Bewerber. Der Firmenchef hatte doch zugesagt, auf jeden Fall ein weiteres Gespräch mit ihm führen zu wollen. Und von einer Zwei-Wochen-Frist ist plötzlich auch nicht mehr die Rede.

Vier Tage später meldet sich der Personalchef mit einer weiteren, orthografisch nicht ganz korrekten Mail: “Obwohl wir einen guten Eindruck von Ihnen gewonnen und keinen Zweifel an Ihrer Qualifikation habe, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass wir den Bewerbungsprozess an dieser Stelle nicht weiterverfolgen werden. Die Gründe hierfür liegen ausschließlich in den spezifischen Anforderungen der zu besetzenden Positionen. Bitte haben Sie Verständnis für diese Entscheidung.”

Nächste Folge: Europäisches Patentamt

 

Der lange Weg ins Nichts – Bewerbungen bei deutschen Firmen (I)

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SAP: Nicht soft, sondern zäh

Der Walldorfer Softwarekonzern sucht einen „Head of Communications” für Mittel- und Osteuropa. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, schließlich gilt es in dieser Position, die externen Kommunikationsaktivitäten in wichtigen Märkten zu steuern. Fünf Tage, nachdem der Kandidat auf der Online-Karriere-Seite von SAP sein Profil ausgefüllt und seinen Lebenslauf eingestellt hat, bittet ihn das Unternehmen per Mail zu einem Telefonat mit einer Dame in den USA. Das Gespräch, eine Woche später, verläuft freundlich. Die SAP-Dame sagt Sätze wie „this is a very good point“ oder „your CV is very impressing“. Sie verabschiedet sich mit den Worten, dass es eine ausgesprochene Freude gewesen sei, sich mit dem Bewerber unterhalten zu haben.

Danach ist Ruhe. Fast zwei Monate lang. Erst als der Bewerber nachfragt und bei der Gelegenheit seine neue Mobilfunknummer durchgibt, reagiert die Personalabteilung: „Vielen Dank für die Auskunft.“

Anschließend herrscht erneut Schweigen. Nach drei Wochen fragt der Kandidat nochmals nach: „Ich habe mich vor längerer Zeit bei Ihnen auf die Position des Head of Communications beworben. Seitdem habe ich nichts von Ihnen gehört. Könnten Sie mich bitte über den aktuellen Stand des Bewerbungsverfahrens informieren?“

Sechs Wochen nach dieser Anfrage erhält der Bewerber eine E-Mail von SAP: „Bitte öffnen Sie das PDF Dokument im Anhang.“ Kein Anschreiben, kein Gruß, nur diese dürre Zeile.

Der Kandidat öffnet das pdf, in dem ihm mitgeteilt wird: „Vielen Dank, dass Sie sich für eine neue Karrieremöglichkeit bei SAP interessieren und sich bei uns beworben haben. Nach sorgfältiger Prüfung Ihrer Unterlagen müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir uns für andere Kandidaten entschieden haben. Aber die nächste Chance kommt bestimmt. Wenn Sie auch weiterhin an unseren Karrieremöglichkeiten interessiert sind, empfehlen wir Ihnen, im SAP Online Career Center einen Jobagenten einzurichten. … Wir hoffen, dass Sie schon bald eine passende Stelle bei SAP finden. Mit freundlichen Grüßen, Ihr SAP Careers Team.“

Nächste Folge: Camelot Management Consultants AG

Gehört der Islam wirklich zu Deutschland?

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Unser ehemaliger Kurzzeitbundespräsident Christian Wulff sagte es zuerst. Unsere aktuelle Dauerkanzlerin hat es kürzlich wiederholt „Der Islam gehört zu Deutschland.“

Ist dem tatsächlich so? Ist es wirklich so, wie Frau Merkel uns einreden will – dass der Islam ein wesentlicher Bestandteil von Deutschland sei? Ein Stück Ursprung, Charakteristikum, Merkmal von Deutschland?

Nein! Der Islam gehört nicht zu Deutschland! Der Islam mag durchaus ein Stück Realität von Deutschland und unserer Gesellschaft sein. Das ja. Aber er ist nicht Teil unserer aktuellen und historischen Identität. Deutschland war und ist ein christlich geprägtes Land, durchsetzt mit zunehmenden Zügen des Atheismus. Der Islam spielte hier noch nie eine bedeutende Rolle. Allein aus der Tatsache, dass mittlerweile viele Menschen islamischen Glaubens nach Deutschland gekommen sind zu schließen, dass diese Glaubensform nun auch zu uns gehöre, ist nicht nur vermessen, sondern grundfalsch. Mallorca gehört auch nicht zu Deutschland, nur weil hunderttausend Menschen mit BRD-Pass ständig dort hinreisen.

Wir machen mittlerweile einen tiefen Kotau vor dem Glauben und der Identität anderer Menschen – so tief, dass wir unsere eigene Identität, die wir im übrigen nie richtig definiert haben, völlig verwässern und zurückstellen. Dieser Tage teilte beispielsweise das Kultusministerium Bayern mit, den Islamunterricht an den Schulen deutlich ausweiten zu wollen. Wieso? Ist Islamunterricht jetzt offizieller Teil deutscher Religionslehre? Wir lehren unseren Kindern evangelische und katholische Religionslehre als Teil unserer christlichen Wurzeln. Wer das anders sieht, kann sich beziehungsweise seine Kinder alternativ in Ethik unterrichten lassen. Aber wieso sollen wir nun Staatsgeld ausgeben für tiefere Erkenntnisse des islamischen Glaubens? Den Buddhismus lehren wir üblicherweise auch nicht an unseren Schulen. Selbst Wirtschaft, ein Thema, das uns alle angeht und jeden Tag begleitet, haben wir noch nicht zum Pflichtfach erkoren. Wieso dann Islam?

Der Autor dieser Zeilen ist und will damit nicht ausländerfeindlich sein – keineswegs. Aber wir sollten unser mangelndes Selbstbewusstsein als Deutsche nicht dadurch zum Ausdruck bringen, indem wir uns anderen Kulturen, die sich in Deutschland niederlassen, anbiedern. Es reicht doch, dass wir fremde Menschen willkommen heißen und ihnen einen Platz bieten. Das muss nicht heißen, dass wir deren Denken und Gepflogenheiten zu unserem Volksgut machen. Im Gegenteil: Wer meint, aus welchen Gründen auch immer, dass Deutschland seine neue Heimat ist, sollte auch die Werte dieser Gesellschaft akzeptieren, achten oder – im besten Fall – zu seinen eigenen machen. Deutschland steht für Freiheit, Offenheit, Achtung – nicht für das Prinzip der Stärke, die Unterdrückung der Frau oder die Missachtung Andersdenkender.

Darum: Wer seinem Kind Islamunterricht angedeihen lassen möchte, möge doch die zahlreichen islamischen Gesellschaften in unserem Land bitten, dies zu tun. Es ist nämlich so: Bayern, Friesen, Sorben, Pfälzer und Westfalen gehören zu Deutschland. Nicht aber der Islam. Der ist hier Gast. So wie wir mit unserer Kultur und Religion in islamischen Ländern lediglich Gast sind.

 

Sudelfeld – das besudelte Feld

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Auf der Homepage der „Vereinigte Liftbetriebe Sudelfeld“ heißt es:

“Im Skiparadies Sudelfeld wurde nach langjähriger Planung und detailreichen Genehmigungsverfahren im Sommer 2014 mit den Baumaßnahmen begonnen, die das umfassende Modernisierungskonzept im Skigebiet vorsieht. Zur Wintersaison 2014 wurde Phase I abgeschlossen, die eine Erweiterung der bestehenden Beschneiungsanlagen, den Bau eines Naturspeicherteichs und den Bau einer 6er-Sesselbahn am Waldkopf samt monderner Servicestation im Bereich der Talstation beinhaltet.”

Wie schön, dass am Fuße des Wendelsteins ein „Paradies“ zu finden ist. Zwölf Millionen Euro soll der erste Bauabschnitt mit Modernisierung der Beschneiungsanlage und neuem Sessellift gekostet haben. Dieses Paradies sieht durch den Bau des gewaltigen Speichersees allerdings reichlich be-sudelt aus. Neben dem neuen Kratersee, für den die Bagger tiefe Wunden in die Landschaft rissen, ragen dutzende Beschneiungslanzen in die Luft und blasen fauchend weiße Bänder in vielfach grüne Winterlandschaft.

Offensichtlich versuchen hier die örtlichen Gemeinden und Liftbetreiber im Kleinen dem globalen Klimawandel zu trotzen und die Illusion vom Skifahren in den Bayerischen Vorbergen aufrecht zu erhalten. Auch wenn man da sprachlich noch etwas nachhelfen muss, damit es jeder kapiert – siehe Paradies. Dabei hält sich das Vergnügen in Grenzen wie jeder weiß, der mit nicht 100prozentig geschliffenen Skikanten schon mal über verhärteten Kunstschnee gerutscht ist.

Immerhin, der maximale Energieverbrauch der Sudelfeld-Beschneiungsanlage soll selbst in einem schneearmen Winter lediglich 430.000 kWh betragen – das entspreche einem jährlichen Verbrauch von 79.120 kg CO2.

Wir sind beeindruckt: Knapp 80 Tonnen CO2. Also fast nichts. Zumindest sei dies, so die Betreiber, zu rechtfertigen, da durch den Ausbau des Skigebietes viele Skifahrer auf die Anreise in weiter entfernte Skigebiete verzichten würden.

Das allerdings ist fraglich, wenn man sich die Sudelfeld-Landschaft einen Tag vor Weihnachten 2014 betrachtet: Grün. Warm. Kein Schnee. Gut, die Tage darauf setzte Schneefall ein, aber die Natur gab mal wieder die Richtung vor. Übrigens: Grün war auch der Winter 20013 am Sudelfeld. Wer dort auf dem mühsam beschneiten weißen Etwas über Eisplatten und Steine rutschte, musste schon unter erheblichen skifahrerischen Entzugserscheinungen leiden.

Bei einem Ortsbesuch stellt man zudem fest, dass sich die Aufgeschlossenheit der Ansässigen vor den Veränderungen der Natur paart mit einer ausgesprochenen Freundlichkeit gegenüber den Gästen: Parkverbote allenthalben entlang der Sudelfeldstraße. Damit dies auch alle mitkriegen, hat man auf einer Fläche von 30 mal 30 Metern die Verbotsschilder gleich im Dutzend aufgestellt. Offensichtlich sind die Schilderaufsteller der Meinung, dass ihre Besucher blind und begriffsstutzig sind. Auf den großen Parkplätzen, wo tagsüber die Skifahrer ihre Autos abstellen sollen, darf man nachts übrigens nicht parken – die Logik dahinter erschließt sich nicht wirklich. Man gewinnt auf jeden Fall den Eindruck: Die Gemeinden zu Fuße des Sudelfeld sind ausgesprochen weltoffen und aufgeschlossen.

Übrigens: Andere Kommunen haben die Klimakarten anders gelesen als die Sudelfelder Bürger und setzen auf neue, sanftere Formen des Tourismus statt Brachialtourismus. Vent, Ramsau oder das oberbayerische Achental zum Beispiel. Dieser Weitblick scheint in Bayrischzell durch den Wendelstein und das Sudelfeld jedoch verstellt.

Etwas geht…

Udo Jürgens ist tot. Joe Cocker ist tot. Diejenigen, die heute 40, 50 oder älter sind – wir sind mit diesen Musikern groß geworden. Jürgens und Cocker haben uns verlassen, im Abstand von nur einem Tag. Wir verneigen uns tief vor ihnen, vor diesen großartigen Künstlern!

Diese späten Dezembertage 2014 sind ein Einschnitt. Jeder muss einmal gehen. Nun, sehr plötzlich, auch diese Beiden! Die Abruptheit Ihres Gehens macht uns nachdenklich und sentimental. Nichts nach ihnen wird sein wie vor und wie mit ihnen. Ihr Verlust ist unersetzlich, Und er zeigt in aller Unbarmherzigkeit die Vergänglichkeit unserer Existenz.

Noch einmal erschallt “Griechischer Wein”, und ein Schauer läuft über unseren Rücken. Das Leben ist vergänglich, das ist uns einmal mehr deutlich geworden. Genießen wir es so lange, wie wir können. Danke Udo! Danke Joe!

Wie die Feuerwehr

Seit vielen Jahren dämmen die Deutschen wie verrückt die Außenwände ihrer Häuser. Die Regierung fördert diesen Aktionismus, die Baustoffindustrie verdient daran Milliarden.

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Nach einem Bericht des Spiegel stellen nun die Bauminister der Bundesländer fest: Die Styroporplatten fangen rasend schnell Feuer.

Da denken wir uns: Ach was. Um das zu wissen, muss man doch kein Experte und Bauminister sein. Wir haben schon als Kinder festgestellt, dass das Zeug brennt wie Zunder.

Und wir fragen uns: Wieso brauchen diese angeblichen Experten viele Jahre, um solch einen Versuch auf die Beine zu stellen und zu dieser überraschenden Erkenntnis zu kommen? Wieso lassen die uns erst Millionen von Quadratmetern Brandbeschleuniger an die Hauswände kleben, ehe sie mit dieser Nachricht um die Ecke kommen?

Nun, wir wollen hier keine Absicht unterstellen. Die Fachleute haben mit diesem komplizierten Versuch eben etwas länger gebraucht. Muss man verstehen: Das muss geplant, abgewägt, durchgeführt und analysiert werden.

Dumm gelaufen für all jene, die das Zeug nun an ihrem Haus haben. Ab sofort: Rauchen auf dem Balkon verboten. Wir empfehlen: Abriss aller Wärmedämmungen und Neudämmung mit nicht brennbaren Materialien. Die Baustoffindustrie stellt schon mal den Sekt kalt.

Anschließend werden die Bauexperten dann feststellen, dass man das leicht entzündbare Styropor gar nicht hätte abreissen müssen. Weil nämlich die feuchte Schimmelbildung, die durch die Platten erzeugt wird, die Brandgefahr kompensiert. (Foto: Pixabay)

Macht, Middelhoff und das Sein

Heute, am 14. November 2014, wurde das Urteil gegen den früheren Bertelsmann-, Karstadt- und Arcandor-Chefmanager Thomas Middelhoff gesprochen: Drei Jahre Haft. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, mit dem Hubschrauber ins Büro geflogen zu sein. Nun, wer macht das nicht? Spiegel-Online-Redakteur Christian Rickens hat dazu einen interessanten Kommentar über den Einfluss von Macht auf den Menschen geschrieben. Tenor: Wer Macht hat oder dazugewinnt, verändert sich und tendiert zu einem rücksichtsloseren Verhalten. Er nutzt seine Macht aus.

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Das Fatale daran: Dieser Mechanismus funktioniert auch anders herum. Wer Macht verliert, verliert häufig auch an Eloquenz, Charisma, Überzeugungskraft. Der Auftritt eines Machtlosen ist fahler als der eines Machtinhabers. Wer nicht über einen starken Charakter verfügt, sackt bei Machtverlust in sich zusammen und strahlt dies – wenn auch unbewusst – aus.

Beispiel: Degradierung im Job. Sie verlieren ihre Position als Abteilungsleiter und sind plötzlich wieder nur ein Schaf innerhalb der Herde. Haben Sie in Besprechungen bisher den Ton angegeben, fallen Sie nun kaum mehr auf. Zusammengesunken und wortkarg sitzen sie auf ihrem Stuhl und hoffen, dass die Runde sich alsbald wieder auflöst und Sie sich in Ihr Büro zurückziehen können. Sie sehen übernächtigt und gestresst aus, ihre Stimme hat einen unsicheren, unterwürfigen Ton, Ihr Gang ist nach vorne gebeugt.

Noch deutlicher wird diese Entwicklung, wenn Sie Ihren Job komplett verlieren. Anfangs wehren Sie sich noch gegen ihren allmählichen Verfall, wollen ihn nicht wahrhaben. Aber wie eine schleichende Krankheit kommt es über Sie: Sie bleiben morgens jeweils ein bisschen länger liegen und grübeln. Sie setzen sich in Schlafkleidung an den Frühstückstisch statt sich vorher zu waschen, umzuziehen und die Haare zu kämmen. Sie blicken in den Tag und wissen nicht, was mit ihm anzufangen ist. Ihr Gesichtsausdruck, früher fest und forsch, ist nun unsicher, ihr Blick ausweichend. Jedes Mal, wenn Sie nach draußen gehen, müssen Sie sich einen Ruck geben, um eine Fassade aufzubauen, die mit Ihrer wirklichen Verfassung nichts mehr zu tun hat.

Alle spüren es, unbewusst: Ihre Kinder. Ihre Eltern. Ihre Freunde. Falls Sie den Wunsch verspüren, in dieser Verfassung einen neuen Lebenspartner zu suchen – vergessen Sie es! Der potenzielle Partner, die potenzielle Partnerin wird beim ersten Date merken, dass irgendetwas mit Ihnen nicht stimmt.

So ist das Spiel: Die Macht macht mit uns etwas, subtil, schleichend, kaum wahrnehmbar. Wie ein Tropfen, der in unsere Suppe fällt – mal etwas zuviel, mal etwas zu wenig.

Und Thomas Middelhoff? Das Urteil hat ihm die letzten Machtreste genommen. Er bemüht ein Lächeln, doch der tiefe Fall ist ihm anzusehen.

Herr Weselsky macht auf wichtig

Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) ist eine kleine Vereinigung, aber sie streikt. Mal wieder. Herr Weselsky, ihr Anführer, hat durchgesetzt, dass mehrere Handvoll Lokstand-Kontrolleure ein ganzes Land in Haftung nehmen. Schon wieder. Bereits in den vergangenen Jahren hatten wir Bahn-Nutzer das Vergnügen, bei niedrigen Temperaturen tagelang am Bahnsteig rumzustehen und auf “unseren” Zug zu warten. Weil Herr Weselsky – und ehemals sein Vorgänger – es so wollten. Vielen Dank!

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Herr Weselsky hat sich das offenbar von der Gewerkschaft der Lufthansa-Piloten, Vereinigung Cockpit, abgekuckt. Das sind auch nur recht wenige, aber auch die legen ein ganzes Land lahm.

Wie machen das eigentlich andere Gewerkschaften? Der Einzelhandel bestreikt einen Tengelmann, die Müllmänner bestreiken ein paar Tonnen, die Drucker bestreiken eine Regionalzeitung. Das ist ihr gutes Recht, und sie treffen damit ihren Arbeitgeber, um ihre Partialinteressen durchzusetzen. Herr Weselsky und Herr Ilja Schulz, Präsident der Vereinigung Cockpit, treffen nicht nur ihren Arbeitgeber. Sie treffen die gesamte Gesellschaft. Sie tun das bewusst und nehmen uns alle – Millionen – als Geiseln zur Durchsetzung ihrer Interessen.

Nun könnte man fragen: Wieso machen die das? Haben die in jungen Jahren nicht genug Muttermilch abbekommen und suchen nun die Zuneigung im Beifall ihrer Lokführer und Piloten? Oder sind die im Sandkasten dauernd verprügelt worden und sehen nun die Chance, mal einen auf dicke Backe zu machen? So wie ein hyperaktiver Zwergpinscher, der die Passanten mal eben ins Bein beisst.

Die Vermutung ist: Ja! Wenn Männer (und manchmal auch Frauen) groß werden, spielen sie genauso weiter wie damals – nur größer eben. Herr Weselsky, der Mann mit dem seltsamen Schnauzer, wird sich toll fühlen, wenn er Herr der Schlagzeilen ist, die Macht nicht nur über die Züge, sondern auch über die Pendler hat und für ein paar Tage darüber bestimmen kann, ob wir ins Büro kommen oder nicht. Und Herr Schulz dürfte sich ebenfalls sonnen in dem guten Gefühl, dass viele Geschäftsleute ihren Termin in Schanghai und Sao Paulo nun dummerweise nicht wahrnehmen können. Wegen ihm.

Machtmenschen sind in Wirklichkeit arme, bedauernswerte Würstchen. Sie beziehen ihr Ego aus der Funktion, in die sie gehievt worden sind. Macht ist ein wesentlicher Bestandteil ihres Alltags, doch Macht ist kein Mittel, unser Leben und unsere Gesellschaft weiter zu bringen. Üben die Herren Weselsky und Schulz diese Macht auch im Privaten aus? Wenn ja, dann dürfte die Halbwertzeit ihrer Beziehungen begrenzt sein.

Also, lassen wir diese Möchtegerngrossen und ihre Lokführergenossen ein bisschen spielen. Sie werden damit ohnehin scheitern. Und falls wir ihnen persönlich begegnen – bestreiken wir sie: Ignorieren wir sie. Oder besser: Rufen wir ihnen beim nächsten Bahnhofshalt zu, was wir von ihnen halten.

Tragödie an der Shisha Pangma

Der Münchener Bergsteiger Sebastian Haag und der Italiener Andrea Zambaldi sind an der 8013 Meter hohen Shisha Pangma im Himalaya kurz unter dem Gipfel von einer Lawine mitgerissen und verschüttet worden. Sie wurden nach Angaben ihrer Begleiter nicht gefunden. Mehrere Medien berichten, dass die Beiden tot seien. Damit ist leider zu rechnen.

Shisha Pangma Basislager

Shisha Pangma Basislager

Die Expedition von Sebastian Haag und seines engen Münchener Freundes, Benedikt Böhm, hat sich damit zu einer Tragödie entwickelt. Wir bedauern dies sehr und wünschen den Familien der beiden Bergsteiger viel Kraft!

Vor wenigen Tagen haben wir an dieser Stelle die Frage nach dem Sinn von Speedbegehungen an hohen Bergen gestellt. Genau dies war und ist die Disziplin der beiden Bergsteiger Haag und Böhm: Gipfel, vor allem hohe Gipfel, möglichst schnell zu besteigen – in vielen Fällen unter Benutzung von Skiern. “Double 8″ nannte sich ihr aktuelles Vorhaben: Die beiden 8000er Shisha Pangma und Cho Oyu innerhalb von acht Tagen besteigen und die Strecke zwischen den beiden Bergen mit dem Fahrrad zurücklegen. Wie schreibt Böhm auf seiner Homepage selbstbewusst über sich: “Die Formel 1 des Skibergsteigens” Und etwas kaltschnäuzig: “Weniger labern, machen.”

Die Tragödie an der Shisha Pangma ist sicherlich nicht auf die Schnelligkeit der beiden Bergsteiger zurückzuführen. Aber möglicherweise auf den Druck, unter dem die Extremsportler standen beziehungsweise sich selbst gesetzt haben. Denn sie betreiben ihren Sport profimäßig und vermarkten ihre Leistungen entsprechend professionell. Im aktuellen Fall haben sie auf Spiegel-Online intensiv über ihre Expedition berichtet. Zahlreiche Sponsoren unterstützen sie auf ihrer aktuellen Tour. Da sind die Erwartungen hoch, das selbst definierte, ambitionierte Ziel auch zu erreichen. Denn letztlich hängt vom Erfolg solch extremer Unternehmungen die eigene bergsportliche Vermarktungsfähigkeit ab. Wer mehrfach sein angekündigtes Ziel nicht erreicht, fällt in der Sponsoren- und Mediengunst zurück.

All dies ist nicht verwerflich, solch ein Verhalten ist nachvollziehbar. Nur: Es ist eben auch sehr riskant. Haag und Böhm hatten nur ein kurzes Zeitfenster, um ihrem hohen Anspruch gerecht zu werden. Konkret bedeutet dies: Entweder, eine solche Mammuttour gelingt jetzt, innerhalb weniger Tage beziehungsweise Wochen. Oder eben nicht. Im letzteren Fall kehren die Bergsteiger mit leeren Händen heim, die große Ankündigung löst sich in Nichts auf.

Bergsteiger, die unter einem hohen Erfolgsdruck in der Öffentlichkeit stehen, gehen im Zweifel Risiken ein, die sie sonst nicht auf sich nehmen würden. In diesem Fall war es die Lawinengefahr. Einige Tage zuvor hatten Haag und Böhm ihren ersten Gipfelversuch wegen zuviel Schnee abgebrochen. Ohne dass wir Außenstehenden die konkreten Verhältnisse in der Gipfelzone der Shisha Pangma am Unglückstag kennen, so ist doch anzunehmen, dass auch bei ihrem zweiten gescheiterten Versuch viel ungefestigter Schnee am Berg hing – offenbar zuviel. Der Autor dieser Zeilen war selbst im Vormonsun 2014 an der Shisha Pangma unterwegs und hat einen Gipfelversuch wegen zuviel Schnee in über 7000 Meter Höhe abgebrochen.

Die Leistungen in allen Sportarten werden weiter in die Höhe getrieben. Beim Bergsteigen nimmt damit in der Regel aber auch das Risiko deutlich zu. Ein Free Solo-Kletterer mag ein Spitzensportler seiner Disziplin sein – er darf sich aber nicht einen Fehler erlauben. Bei Steilwandskifahrern muss jeder Schwung sitzen. Und Höhenbergsteiger, die neue, extreme Routen versuchen oder wie Haag und Böhm möglichst schnell unterwegs sein wollen, übertragen sportliche Höchstleistungen in ohnehin lebensfeindliche Zonen.

Spitzenbergsteiger werden auch weiterhin ihre Leistungen vermarkten. Der Druck, der auf ihnen lastet, ist groß. Das Risiko des Scheitern ebenso. © Bergsturz